Die Welt anders wahrnehmen: Einblick in Autismus

Autor: Katharina

Lesezeit: 5 Minuten
Paper figures of people on a light background. World autism day

Mit diesem Infoguide geben wir dir einen evidenzbasierten Überblick über Autismus, eine komplexe und heterogene neurologische Entwicklungsstörung, die unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung zusammengefasst wird und sich insbesondere auf Wahrnehmungsverarbeitung, soziale Interaktion, Kommunikation sowie Verhaltensmuster auswirkt. Die Inhalte basieren sowohl auf wissenschaftlichen Erkenntnissen als auch auf langjähriger Praxiserfahrung sowie dem kontinuierlichen Austausch mit Menschen aus dem Autismus-Spektrum. Ziel ist es, fundierte Informationen bereitzustellen, zur Aufklärung beizutragen und praxisnahe Ansätze aufzuzeigen, die Betroffenen und ihrem Umfeld im Alltag Unterstützung bieten können.

1. Grundlagen: Was ist Autismus?

Autismus ist eine angeborene Besonderheit der Gehirnentwicklung, die unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Menschen im Autismus-Spektrum nehmen die Umwelt oft anders wahr und verarbeiten Reize auf ihre eigene Weise.

Typisch können sein:

  • Herausforderungen im sozialen Miteinander
  • eine andere Art der Kommunikation
  • ein starkes Bedürfnis nach Struktur und Wiederholungen

Wichtig ist: Autismus ist keine Krankheit, sondern eine individuelle Art zu denken, zu fühlen und die Welt zu erleben.

2. Wie wird Autismus festgestellt?

Autismus gehört zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen und wird heute meist unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zusammengefasst. Früher unterschied man stärker zwischen:

  • frühkindlichem Autismus,
  • Asperger-Syndrom und
  • atypischem Autismus – die Übergänge sind jedoch oft fließend.

Die Diagnostik erfolgt durch spezialisierte Fachkräfte und umfasst:

  • Gespräche,
  • Fragebögen,
  • Verhaltensbeobachtungen,
  • Entwicklungs- und medizinische Tests.

Autismus kann bereits im Kindesalter erkannt werden, manchmal aber auch später.

3. Ursachen – Wie entsteht Autismus?

Autismus entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedenerer Faktoren:

  • Genetische Veranlagung
  • Einflüsse während der Schwangerschaft (Infektion von Rötelviren oder Frühgeburt, Medikamente zur Behandlung von Epilepsie)

Wichtig zu wissen: Autismus wird weder durch Impfungen noch durch die Erziehung der Eltern ausgelöst.

Team LGBTQ Rainbow hand holding Jigsaw Puzzles Flags of Diversit

4. Autismus im Alltag

Autismus kann sich sehr unterschiedlich auf das eigene Leben und das der Familie auswirken.

Mögliche Herausforderungen:

  • Soziale Kontakte zu knüpfen und Kommunikation
  • Reizüberflutung (z.B. Geräusche oder Licht)
  • Schwierigkeiten mit Veränderungen

Gleichzeitig haben Menschen im Autismus-Spektrum besondere Stärken:

  • Genauigkeit und Detailwahrnehmung
  • Ehrlichkeit und Verlässlichkeit
  • Intensive Interessen und Fähigkeiten

5. Therapie- und Unterstützungsansätze

Bewegung statt Kopfschmerz – einfach, effektiv, unterschätzt

Ziel ist es, die Selbständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität zu fördern.

Ergotherapie – Den Alltag Schritt für Schritt meistern

  • Aufbau von klaren Strukturen und Routinen
  • Training von Alltagsfähigkeiten (z.B. Anziehen, Essen, Organisation)
  • Förderung der Wahrnehmungsverarbeitung (Umgang mit Reizen)
  • Entwicklung von Strategien zur Selbstregulation
  • Einsatz von visuellen Hilfen (Plänen, Symbolen, Abläufen)
  • Üben von sozialen Situationen in einem geschützten Rahmen
  • Verbesserung von Konzentration und Handlungsplanung

Ziel ist es: Mehr Selbständigkeit und Sicherheit im Alltag zu erlangen.

Physiotherapie – den eigenen Körper besser verstehen

Die Physiotherapie hilft dir, deinen Körper besser wahrzunehmen und zu steuern:

  • Verbesserung von Körpergefühl und Wahrnehmung
  • Training von Koordination und Gleichgewicht
  • Regulation von Anspannung (zu viel oder wenig Körperspannung)
  • Unterstützung bei Bewegungsplanung und -kontrolle
  • Einsatz von Bewegung zur Stressregulation und Entspannung

Ziel ist es: Mehr Stabilität, Sicherheit und Wohlbefinden im eigenen Körper.

Körper und Wohlbefinden – Ernährung und Autismus

Der Darm spricht mit dem Gehirn (Darm Hirn Achse) – und beeinflusst Verhalten stärker, als viele denken.

  • Die Darm-Hirn-Achse beeinflusst neurologische Funktionen, Verhalten und Wohlbefinden – besonders bei Autismus.
  • Studien zeigen: Synbiotika (Pro- und Präbiotika), ggf. kombiniert mit darmfokussierter Hypnotherapie, können Beschwerden lindern.
  • HPU ist eine mögliche Stoffwechselstörung bei ASS/ADHS, die zu Nährstoffmängeln führt und Symptome verstärken kann – daher Ansatzpunkt für ergänzende Therapie.

Kurz: Ernährung anpassen, körperliches Wohlbefinden verbessern und dadurch auch Verhalten und Stimmung positiv beeinflussen.

Weitere Unterstützung:

  • Verhaltenstherapie (soziale Fähigkeiten stärken)
  • Logopädie (Kommunikation fördern)
  • Unterstützung in Kita, Schule und Beruf


Children connecting jigsaw puzzle pieces in a kids room on floor

6. Fakten und Mythen

Mythos: Autismus ist heilbar.

  • Fakt: Autismus begleitet einen ein Leben lang.

Mythos: Nur Jungen sind betroffen.

  • Fakt: Autismus betrifft alle Geschlechter.

Mythos: Autisten haben keine Empathie oder Gefühle.

  • Fakt: Gefühle sind da, werden aber nur oft anders gezeigt.

Mythos: Impfungen verursachen Autismus.

  • Fakt: Wissenschaftliche Studien haben keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus belegt.

7. Was können wir im Move für dich tun

Im Move begleiten wir dich individuell, alltagsnah und ganzheitlich. Gemeinsam finden wir heraus, was dir hilft und was du brauchst.

Struktur und Orientierung:

  • Wir entwickeln mit dir klare Abläufe und Routinen
  • Mit visuellen Hilfen sorgen wir für eine verbesserte Wahrnehmung und somit ehr Sicherheit im Alltag
  • Veränderungen werden Schritt für Schritt geübt

Umgang mit Reizen:

  • Wir helfen dir, Reizüberflutung besser zu erkennen und zu vermeiden
  • Du lernst Strategien, um dich selbst zu regulieren
  • Gemeinsam finden wir heraus, was genau dir guttut (z.B. Rückzug, Bewegung, wann mach ich Pause)

Selbstregulation und Stressbewältigung:

  • Wir erarbeiten individuelle Strategien für schwierige Situationen
  • Du lernst, dich selbst besser einzuschätzen und zu beruhigen
  • Entspannungs- und Bewegungsangebote unterstützen dich dabei

Ergotherapie und Physiotherapie kombiniert:

  • Wir verbinden Alltagstraining mit Körperarbeit
  • Du lernst, deinen Körper besser zu spüren und gezielt einzusetzen
  • Alltagsfähigkeiten werden praktisch und Schritt für Schritt aufgebaut

Stärken fördern:

  • Wir entdecken gemeinsam deine Stärken und Interessen
  • Diese nutzen wir gezielt für deine Entwicklung und Motivation

Einzug deines Umfeldes:

  • in Zusammenarbeit mit den Eltern entwickeln wir alltagstaugliche Strategien
  • Austausch mit Kita, Schulen oder Beruf
  • Ziel: auch außerhalb der Therapie Fortschritte zu festigen

Ziel ist es, dass du dich, sicher fühlst, deinen Alltag besser bewältigst, deine Stärken besser nutzen kannst und deinen eigenen Weg findest.

Jeder Weg ist Individuell – wir gehen ihn gerne gemeinsam mit Dir. Sprich unsere Therapeuten gerne an, sie werden dir gerne helfen.

8. Quellenverzeichnis

www.autismus-lotse.de

www.gesund.bund.de

www.autismus.de/ Autismus Deutschland e.V.

www.gesundheitsinformation.de/ wie-wird-autismus-behandelt.html

https://www.dsm-firmenich.com/de-de/businesses/health-nutrition-care/news/talking-nutrition/managing-autism-through-targeting-the-gut-microbiome.html

www.dr-binding.de/schwerpunkte/hpu

Autor

Katharina

PhysiotherapeutIn

Katharina gehört seit 2024 zum Move Team. Als Physiotherapeutin mit dem Schwerpunkt auf Kopfschmerz- und Kieferpatienten (CMD) behandelt sie zudem orthopädische sowie chirurgische Patient: innen in allen Phasen der Rehabilitation. Ihre Arbeit zeichnet sich durch einen ganzheitlichen Ansatz aus, bei dem funktionelle Zusammenhänge des Körpers im Mittelpunkt stehen. Ergänzend erweitert sie kontinuierlich ihre fachliche Kompetenz in den Bereichen Ernährung und Frauengesundheit (Women’s Health), um Patientinnen und Patienten individuell, nachhaltig und evidenzbasiert zu begleiten.

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