Zurück in den Alltag – Rat beim Karpaltunnel-SYNdrom

Autor: Richard Schradin

Lesezeit: 5 Minuten
Hand mit Karpaltunnelsyndrom bei der Untersuchung

Mit diesem Guide möchten wir dich über das Karpaltunnelsyndrom im Allgemeinen sowie deine Möglichkeiten in der Therapie informieren. Sodass du schnellstmöglich wieder deinen gewohnten Alltag uneingeschränkt beschreiten kannst.

Hierfür beziehen wir uns ausschließlich auf wissenschaftliche Studien und unsere eigenen Erfahrungen in der Praxis wie auch im privaten Umfeld:

1. Was ist der Karpaltunnel und was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Das Karpaltunnelsyndrom entsteht, wenn der Mittelarmnerv (Nervus medianus) im Bereich des Handgelenks eingeengt wird. Der Nerv verläuft durch eine enge Passage, den sogenannten Karpaltunnel, der von Handwurzelknochen und einem festen Band (Karpalband) gebildet wird. Verdickungen von Sehnenscheiden oder des Bandes können Druck auf den Nerv ausüben 1

Typische Beschwerden sind Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle in Daumen, Zeige- und Mittelfinger – oft nachts, manchmal auch tagsüber. Dieses nächtliche Kribbeln nennt man Paraesthesia nocturna. Die Symptome ähneln dem Gefühl „eingeschlafener“ Finger und können bis in den Arm ausstrahlen.2

Anfangs treten die Beschwerden nur bei Belastung auf und verschwinden wieder. Bleibt das Syndrom jedoch unbehandelt, können die Schmerzen zunehmen und auch in Ruhe auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Kraftverlust, Muskelschwund, eingeschränkter Feinmotorik und sogar zu Lähmungserscheinungen.3

Das Karpaltunnelsyndrom tritt häufig zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr auf. Etwa 10 % der Menschen sind betroffen – Frauen doppelt so oft wie Männer.4

Handgelenk mit Verband

2. Ursachen und Risikofaktoren

In den meisten Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für das Karpaltunnelsyndrom feststellen (Gelfman et al., 2009). Es wird jedoch beobachtet, dass bestimmte Grunderkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Diabetes mellitus häufig gemeinsam mit dem Karpaltunnelsyndrom auftreten.5

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Hauptmechanismen für die Entstehung eines Nervenkompressionssyndroms:

1. Mechanische Irritation und Druck auf die Nerven, etwa durch:

  • knöcherne Fehlstellungen nach einem Handbruch
  • Verrenkung der Handwurzelknochen
  • Sehnenscheidenentzündung bei Rheumatikern oder nach Verletzungen
  • Tumore
  • Ganglien (knotige Nervenverdickungen)6

2. Erkrankungen, die den Nerv druckempfindlicher machen, wie:

  • Diabetes mellitus
  • Amyloidose (krankhafte Eiweißablagerung)
  • hormonelle Veränderungen, z. B. in der Schwangerschaft oder bei Schilddrüsenüberfunktion7

Auch Lebensstil- und Arbeitsfaktoren können das Risiko erhöhen. So zeigt sich, dass berufliche Belastung und monotone Handbewegungen mit einer erhöhten Inzidenz des Karpaltunnelsyndroms einhergehen.8

3. Die Therapie des Karpaltunnelsyndroms. Operativ oder konservativ?

Die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms beginnt immer mit konservativen Maßnahmen. Dazu gehören:

  • Kältetherapie, um Entzündungen und Schmerzen zu lindern9
  • Handgelenksschienen (Orthesen), die das Handgelenk in neutraler Position stabilisieren – besonders nachts hilfreich. Vor allem Schienen zeigen bei den meisten Betroffenen nach 4–6 Wochen eine deutliche Besserung. In leichten Fällen kann dadurch sogar eine Heilung erfolgen.10
  • Physiotherapie wie Dehnübungen, Tapen oder Faszienrollen-Training11

Bleiben die Beschwerden bestehen, sind weitere Therapien nötig. Eine weitere konservative Möglichkeit ist die Infiltration, bei der ein Schmerzmittel oder Kortison in den Karpaltunnel gespritzt wird. Diese Behandlung wirkt vorübergehend schmerzlindernd und entzündungshemmend, kann aber die Ursache nicht beheben. Studien zeigen: Nur etwa 20 % der Patienten sind ein Jahr nach Kortisonbehandlung beschwerdefrei12

Wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Wirkung zeigen oder der Nerv bereits geschädigt ist, wird eine Operation (Neurolyse) empfohlen. Dabei werden die Strukturen, die auf den Nerv drücken (z. B. verdicktes Bindegewebe oder das Karpalband), entfernt oder durchtrennt, um den Nerv zu entlasten.13

  • Endoskopisch (minimalinvasiv): Schonender, mit kleiner Narbe und schnellerer Heilung.
  • Offen: Mit größerem Schnitt, bietet dem Arzt aber einen besseren Überblick, z. B. bei komplizierteren Fällen14
  • Studien zeigen, dass die Operation deutlich erfolgreicher ist als konservative Therapien15
  • 99 % der operierten Patienten sind langfristig beschwerdefrei16
  • Nach der OP ist die Hand nach etwa 3 Wochen eingeschränkt, nach 6 Wochen wieder vollständig belastbar.
  • Bei stark vorgeschädigten Nerven kann die Erholung länger dauern17
Handgelenk mit Verband

4. Wie können wir im Move dich dabei unterstützen?

Wenn du unter dem Karpaltunnelsyndrom leidest, wissen wir, wie sehr es dich im Alltag und bei der Arbeit einschränken kann. Im Move erhältst du fachkundige Unterstützung, um gezielt gegen die Beschwerden vorzugehen und deine Handfunktionen wieder schmerzfrei zu nutzen. Unser erfahrenes Team aus Physio- und Ergotherapeuten ist darauf spezialisiert, die Belastbarkeit deines Handgelenks zu verbessern, die umliegende Muskulatur zu stärken und den Druck auf den Medianusnerv gezielt zu reduzieren.
Dafür erstellen wir individuelle Therapie- und Trainingspläne, abgestimmt auf deinen aktuellen Zustand. Wir begleiten dich Schritt für Schritt durch die Rehabilitation und zeigen dir, wie du selbst zur Entlastung beitragen und erneuten Überlastungen vorbeugen kannst – für dauerhaft gesunde Hände und Handgelenke.

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5. FAZIT

Physiotherapie spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung des Karpaltunnelsyndroms – sowohl vor als auch nach einer möglichen Operation. In frühen Stadien kann sie helfen, Beschwerden zu lindern, den Druck auf den Nerv zu verringern und die Beweglichkeit zu verbessern. Übungen, Dehnungen und manuelle Techniken fördern die Durchblutung, reduzieren Schwellungen und erhalten die Muskelkraft.
Auch nach einer Operation ist Physiotherapie wichtig, um die Heilung zu unterstützen, die Handfunktion wiederherzustellen und Rückfällen vorzubeugen. Sie hilft dabei, den Nerv zu entlasten, Schonhaltungen abzubauen und die volle Beweglichkeit und Kraft der Hand zurückzugewinnen.
Kurz gesagt: Die Operation beseitigt die Ursache – die Physiotherapie sorgt dafür, dass die Hand wieder gut funktioniert.

Autor

Richard Schradin

Physiotherapeut

Richard gehört seit 2023 zum Team von Move und bringt umfassende Erfahrung in der Physiotherapie bei neurologischen Erkrankungen mit. Sein Schwerpunkt liegt in der aktiven Therapiegestaltung, bei der Patienten aktiv in den Heilungsprozess eingebunden werden.

Richard Schradin