Dieser Infoguide möchte dich dabei unterstützen, Multiple Sklerose besser zu verstehen. Er erklärt in klarer und gut verständlicher Weise, was bei der Erkrankung im Körper passiert, wie sie sich auf den Alltag auswirken kann und welche Therapieansätze, etwa Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie sowie gezieltes Training, dabei helfen können, die Lebensqualität langfristig zu verbessern.
Unser Anliegen ist es, dir verlässliches Wissen, praktische Erfahrung und Orientierung an die Hand zu geben, damit du deinen eigenen, selbstbestimmten Weg im Umgang mit MS gehen kannst.
1. Was ist MS? Was passiert bei MS mit meinem Körper?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem irrtümlich die Myelinscheide – die schützende Hülle der Nerven – angreift. Dadurch wird die Signalübertragung zwischen Gehirn und Körper gestört1. Entzündungs- und Stressprozesse spielen dabei eine wichtige Rolle.2
Typische Symptome können sein:
Die Diagnose stützt sich auf:
Arten von MS-Läsionen
Risikofaktoren für MS
MS entsteht durch das Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren.4
Genetik
MS ist nicht direkt erblich, aber bestimmte Gene – vor allem HLA-DRB1*1501 – erhöhen das Risiko deutlich. Über 200 weitere genetische Varianten beeinflussen das Erkrankungsrisiko.5
Infektionen
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) gilt als einer der stärksten Risikofaktoren. Eine späte EBV-Infektion wie das Pfeiffersche Drüsenfieber erhöht das MS-Risiko erheblich.6
Weitere Erkrankungen
Autoimmunerkrankungen treten häufig gemeinsam mit MS auf.
Lebensstil und Umwelt
Ernährung & Stoffwechsel
Pathologische Mechanismen
Bei MS wirken zwei Hauptprozesse:
1. Entzündung – führt zu Plaques und einer Störung der Blut-Hirn-Schranke.
2. Neurodegeneration – verursacht Schäden an Nervenfasern und Nervenzellen9
Die Symptome hängen davon ab, wo sich die Läsionen befinden.
Krankheitsverläufe
Klinisch isoliertes Syndrom (CIS)
Eine erste, MS-typische neurologische Episode. Das Risiko, später an Multipler Sklerose zu erkranken, ist erhöht, wenn im MRT bereits typische Läsionen sichtbar sind.
Schubförmig-remittierende MS (RRMS)
Mit rund 85 % die häufigste Verlaufsform. Sie ist gekennzeichnet durch klar abgrenzbare Schübe mit anschließenden Erholungsphasen (Remissionen).
Sekundär progrediente MS (SPMS)
Entwickelt sich häufig aus einer RRMS. Die neurologischen Einschränkungen nehmen im Verlauf langsam zu – mit oder ohne weiterhin auftretende Schübe.
Primär progrediente MS (PPMS)
Von Beginn an fortschreitender Krankheitsverlauf ohne erkennbare Schübe oder Remissionen.
Radiologisch isoliertes Syndrom (RIS)
MS-typische Veränderungen im MRT, jedoch ohne klinische Symptome.
2. Therapiemöglichkeiten bei MS
Bei Multipler Sklerose (MS) kann die gestörte Signalübertragung zwischen Gehirn und Körper viele Beschwerden auslösen – darunter Kribbeln, Taubheit, Zittern, Schmerzen, Müdigkeit, Spastik, Sehprobleme, Koordinationsstörungen sowie Schwierigkeiten beim Sprechen, Schlucken oder Bewegen.10
Physiotherapie und Ergotherapie sind zentrale Bestandteile einer ganzheitlichen Behandlung der Multiplen Sklerose. Besonders in der Physiotherapie geht es darum, Beweglichkeit, Muskelkraft, Koordination und Gleichgewicht möglichst lange zu erhalten oder gezielt zu verbessern. Ein ausführlicher Erstbefund bildet dabei die wichtige Grundlage der Therapie: Er hilft dabei, gemeinsam herauszufinden, welche Fähigkeiten bereits gut vorhanden sind, wo Einschränkungen bestehen und woran individuell gearbeitet werden sollte.
Auf dieser Basis werden gezielte Übungen ausgewählt, mit denen Spastik, Schmerzen und Fatigue reduziert sowie Gangbild, Haltung und funktionelle Bewegungsabläufe trainiert werden können. So wird nicht nur die Mobilität gefördert, sondern auch Stürzen vorgebeugt und die körperliche Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange erhalten.
Die Ergotherapie ergänzt dies, indem sie den Fokus auf die Bewältigung des Alltags legt. Sie unterstützt Betroffene dabei, ihre Selbstständigkeit bei alltäglichen Aktivitäten wie Anziehen, Essen oder Schreiben zu erhalten. Zusätzlich werden Feinmotorik und Handfunktion trainiert, Strategien zum Energie- und Fatigue-Management vermittelt sowie geeignete Hilfsmittel empfohlen und angepasst. Bei Bedarf hilft die Ergotherapie auch bei der Bewältigung kognitiver Einschränkungen und berät zur Anpassung von Wohn- und Arbeitsumfeld. Gemeinsam tragen Physiotherapie und Ergotherapie wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit MS bei.
Wenn Medikamente oder andere Therapien nicht ausreichen, können bestimmte chirurgische Eingriffe helfen, diese Symptome zu lindern.11
3. MS und Krafttraining, Widerspruch oder der richtige Weg?
Früher wurde Menschen mit MS geraten, sich körperlich zu schonen. Heute ist eindeutig belegt: Bewegung ist sicher und wirkt wie eine wichtige Behandlungsmethode12. Besonders Krafttraining zeigt starke positive Effekte auf Körper und Psyche.13
Was bringt Kraft- und Bewegungstraining bei MS?
Regelmäßiges Kraft- und Bewegungstraining kann viele typische Beschwerden bei Multipler Sklerose spürbar lindern. Es trägt dazu bei, Ausdauer, Beweglichkeit, Muskelkraft und Gleichgewicht zu verbessern und unterstützt damit die körperliche Leistungsfähigkeit im Alltag14. Darüber hinaus zeigen Studien, dass Bewegung sich positiv auf die Lebensqualität und die Stimmung auswirkt.15
Zudem gibt es Hinweise darauf, dass körperliches Training entzündungshemmende Effekte haben kann und möglicherweise dazu beiträgt, Nervenzellen zu schützen oder sogar deren Neubildung zu fördern.16
Worauf sollten Menschen mit MS beim Training achten?
Das Training sollte individuell gewählt werden und zu den eigenen Fähigkeiten passen. Bei akuten Infekten oder während eines frischen Schubs – insbesondere unter Kortisontherapie – ist körperliches Training nicht empfohlen. Wichtig ist, auf die eigene Tagesform zu achten und das Training flexibel anzupassen. Dabei zählt das persönliche Körpergefühl mehr als feste Messwerte wie Puls oder Leistung.
Wie intensiv sollte das Training sein?
Training muss nicht maximal anstrengend sein, um wirksam zu sein. Eine gute Orientierung bietet die Borg-Skala: Ein Belastungsgefühl zwischen 11 und 15 („etwas anstrengend“ bis „anstrengend“) gilt als optimal. Gelegentlich sind auch intensivere Einheiten möglich, solange die eigene Erschöpfungsgrenze respektiert wird.
Kurze Trainingsempfehlungen
4. Mythen
Warum wurde früher vor Sport gewarnt?
Körperliche Anstrengung oder Wärme kann MS-Symptome vorübergehend verstärken – das sogenannte Uhthoff-Phänomen. Diese Beschwerden sind ungefährlich und klingen nach 30–120 Minuten wieder ab.17
Deshalb gilt heute: Sport ist sicher, solange individuelle Belastungsgrenzen beachtet werden.
5. Wie können wir im Move dich dabei unterstützen?
Wie du nun weißt, kannst du deinen Umgang mit Multipler Sklerose vor allem durch eine gezielte physiotherapeutische und ergotherapeutische Behandlung wirkungsvoll unterstützen. Sie bildet die Grundlage, um MS-bedingte Einschränkungen zu erkennen, Beschwerden zu lindern und deine Bewegungsfähigkeit langfristig zu erhalten. Ergänzend dazu kann ein individuell abgestimmtes Training sowie eine passende Ernährungsstrategie deine Therapie sinnvoll unterstützen und deine allgemeine Gesundheit fördern. Genau dabei begleiten dich unsere Therapeuten und Trainer im Move. Gemeinsam entwickeln wir ein individuelles Therapie- und Bewegungskonzept, das sich an deinen persönlichen Bedürfnissen, Zielen und deinem aktuellen Gesundheitszustand orientiert. In der Physio- und Ergotherapie arbeiten wir gezielt an Beweglichkeit, Kraft, Koordination, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung – immer orientiert an den individuellen Schwerpunkten, die wir gemeinsam im Erstbefund feststellen. Darauf aufbauend zeigen wir dir, welche Trainingsformen für dich sinnvoll sind, wie du deine Belastung richtig steuerst und wie Bewegung, Atmung und Intensität optimal zusammenspielen.
Ergänzend erhältst du alltagstaugliche Empfehlungen zu Ernährung und Lebensstil, die den physio- und ergotherapeutischen Prozess unterstützen und deinen Fortschritt nachhaltig sichern. Unser Ziel ist es, dich Schritt für Schritt dazu zu befähigen, deine MS-bedingten Herausforderungen langfristig selbst zu managen – mit strukturierter Physio-und Ergotherapie, unterstützendem Training, fachkundiger Begleitung und spürbaren Erfolgen.
Du wünschst dir Unterstützung? Sprich uns gerne an – unsere Therapeuten und Trainer beraten dich jederzeit persönlich.
6. Fazit
Regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining ist heute ein anerkannter Bestandteil der Grundbehandlung bei Multipler Sklerose. Voraussetzung dafür ist jedoch eine frühzeitige und kontinuierliche physiotherapeutische Betreuung. Sie ist entscheidend, um MS-bedingte Funktionsveränderungen rechtzeitig zu erkennen, gezielt gegenzusteuern und den Verlauf positiv zu beeinflussen. In der Physiotherapie werden Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Gleichgewicht systematisch aufgebaut und erhalten. Darauf aufbauend kann Kraft- und Ausdauertraining sicher, wirksam und individuell angepasst durchgeführt werden. Richtig angeleitet und dosiert verbessert es nicht nur körperliche Funktionen, sondern stärkt auch das psychische Wohlbefinden und kann langfristig die Lebensqualität deutlich erhöhen.
Gerade bei MS ist es wichtig, nicht abzuwarten: Physiotherapie sollte frühzeitig beginnen und regelmäßig stattfinden. In diesem Rahmen ist Training nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich empfohlen.
7. Quellenangabe
- (National Multiple Sclerosis Society, 2022) ↩︎
- (Morris et al., 2018; Kim Ohl et al., 2016; Mao et al., 2010) ↩︎
- (National Multiple Sclerosis Society, 2022). ↩︎
- (National Multiple Sclerosis Society, 2022). ↩︎
- (National Multiple Sclerosis Society, 2022). ↩︎
- (National Multiple Sclerosis Society, 2022). ↩︎
- (National Multiple Sclerosis Society, 2022) ↩︎
- (Schepici et al., 2019; Adamczyk-Sowa et al., 2017) ↩︎
- (Morris et al., 2018; Kim Ohl et al., 2016; Mao et al., 2010). ↩︎
- (National Multiple Sclerosis Society, 2022) ↩︎
- (WebMD, 2022). ↩︎
- (National Multiple Sclerosis Society, 2022) ↩︎
- (Chang et al., 2013). ↩︎
- (Chang et al., 2013) ↩︎
- (WebMD, 2022). ↩︎
- (Adamczyk-Sowa et al., 2017; Schepici et al., 2019). ↩︎
- (National Multiple Sclerosis Society, 2022). ↩︎





