Parkinson verstehen und selbst aktiv werden

Autor: Richard Schradin

Lesezeit: 9 Minuten
Aelterer Mann in gruenes Hemd dehnt sich im Park.

Mit diesem Infoguide möchten wir dir einen verständlichen und verlässlichen Überblick über Parkinson geben – was genau bei dieser Erkrankung im Körper passiert, wie sie deinen Alltag beeinflussen kann und vor allem, welche Möglichkeiten es gibt, deine Lebensqualität trotz Parkinson zu stärken. Unser Ziel ist es, dich auf deinem Weg zu mehr Selbstbestimmung, Stabilität und Wohlbefinden zu begleiten. Dabei orientieren wir uns an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie an unserer langjährigen Erfahrung – sowohl aus der therapeutischen Arbeit als auch aus dem persönlichen Austausch mit Menschen, die mit Parkinson leben.

1. Was ist Parkinson und was passiert dabei in meinem Körper?

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem irrtümlich die MyelinMorbus Parkinson ist eine chronische Erkrankung des Gehirns, die vor allem die Bewegungsfähigkeit, die Körperhaltung und die Muskelsteuerung beeinträchtigt. Bei Betroffenen kommt es nach und nach zum Abbau von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin herstellen. Dopamin spielt eine zentrale Rolle für reibungslose, gut koordinierte und weitgehend automatische Bewegungen.

Sinkt der Dopaminspiegel, geraten Bewegungsabläufe aus dem Gleichgewicht und fallen zunehmend schwerer.

Zu den typischen motorischen Symptomen zählen eine Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese), Muskelsteifheit, Zittern (Tremor) sowie Gleichgewichtsprobleme und ein unsicheres Gangbild.

Darüber hinaus können auch nicht-motorische Beschwerden auftreten, etwa Müdigkeit, Schlafstörungen, depressive Stimmungslagen, innere Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Morbus Parkinson wirkt sich somit nicht nur auf die Bewegung aus, sondern beeinflusst viele Bereiche des alltäglichen Lebens. Weitere Effekte die eintreten können sind beispielsweise Müdigkeit, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, innere Unruhe oder Konzentrationsprobleme.

Eine Person haelt mit einer Hand die andere Hand.

2. Therapiemöglichkeiten bei Parkinson

Bis heute gibt es keine Medikamente, die Morbus Parkinson heilen oder den Krankheitsverlauf dauerhaft aufhalten können. Die medikamentöse Therapie verfolgt das Ziel, die Symptome zu lindern, indem der Dopaminmangel im Gehirn ausgeglichen oder die Wirkung von Dopamin verbessert wird. Diese Behandlungen sind wichtig und oft wirksam, ihre Möglichkeiten sind jedoch begrenzt und können im Verlauf der Erkrankung mit Nebenwirkungen verbunden sein.

Aus diesem Grund basiert die moderne Parkinson-Therapie auf einem ganzheitlichen, mehrsäuligen Behandlungskonzept:

Zentrale Bausteine der Parkinson-Therapie sind:

  • Medikamentöse Behandlung zur Symptomlinderung
  • Physiotherapie und Ergotherapie als tragende Säulen zur Erhaltung von Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Alltagsfähigkeit
  • Logopädie zur Unterstützung von Sprache, Stimme und Schluckfunktion
  • Operative Verfahren in ausgewählten Fällen
  • Regelmäßige körperliche Bewegung und Training als fester Bestandteil des Alltags

Besonders Physiotherapie und Ergotherapie nehmen eine Schlüsselrolle ein. Sie setzen dort an, wo Medikamente an ihre Grenzen stoßen. In der Physiotherapie werden Gangbild, Gleichgewicht, Kraft, Beweglichkeit und Koordination gezielt trainiert. Die Ergotherapie unterstützt dabei, alltägliche Handlungen wie Anziehen, Essen, Schreiben oder Haushaltsaktivitäten möglichst lange selbstständig und sicher auszuführen. Gemeinsam helfen diese Therapieformen, Funktionsverluste zu verlangsamen und die Lebensqualität aktiv zu erhalten.


Aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeiten, unter anderem aus Dänemark, kommen zu einem klaren Ergebnis: Bewegung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Parkinson-Therapie. Regelmäßige körperliche Aktivität kann insbesondere Symptome verbessern, die medikamentös nur schwer beeinflussbar sind – etwa Gangstörungen, Gleichgewichtsprobleme oder Schwierigkeiten beim Aufstehen.


Darüber hinaus zeigen Studien, dass körperlich aktive Parkinson-Patient:innen häufig einen stabileren Krankheitsverlauf aufweisen. Regelmäßige Bewegung kann dazu beitragen, den Medikamentenbedarf konstant zu halten oder in manchen Fällen sogar zu reduzieren. In klinischen Bewertungsskalen wie der MDS-UPDRS erzielen aktive Betroffene oft bessere Ergebnisse als inaktive.


Zusammengefasst gilt: Medikamente sind wichtig – doch Bewegung, Physiotherapie und Ergotherapie sind unverzichtbar, um Fähigkeiten zu erhalten, Selbstständigkeit zu fördern und den Alltag trotz Parkinson möglichst aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.

3. Parkinson und Krafttraining

Krafttraining nimmt bei Morbus Parkinson einen wichtigen und unterstützenden Stellenwert ein. Regelmäßige Bewegung kann dazu beitragen, Muskelkraft zu erhalten, die Körperhaltung zu verbessern und den natürlichen Kraftverlust, der im Verlauf der Erkrankung auftreten kann, positiv zu beeinflussen. Dadurch lassen sich Bewegungen im Alltag sicherer und leichter ausführen.

Gezieltes Krafttraining kann:

  • die Muskelkraft stärken
  • das Aufstehen, Gehen und Treppensteigen erleichtern
  • das Gleichgewicht fördern
  • eine aufrechte und stabile Körperhaltung unterstützen

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sowohl Kraft- als auch Ausdauertraining einen positiven Einfluss auf die Symptome von Parkinson haben – jeweils mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Krafttraining ist besonders hilfreich, um Stabilität, Standfestigkeit und die Bewältigung alltäglicher Bewegungen zu verbessern.
Ein individuell angepasstes Trainingsprogramm ist dabei besonders wichtig, da die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Fachleute empfehlen daher persönliche Bewegungsprogramme, die regelmäßig überprüft und angepasst werden, idealerweise unter fachlicher Begleitung durch Physiotherapeuten, Sporttherapeuten oder Ärzte.
Auch bei stärkeren Einschränkungen ist Bewegung möglich und sinnvoll. Bereits leichtes Krafttraining, etwa im Sitzen oder mit geringer Intensität zu Hause, kann einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung von Mobilität und Lebensqualität leisten.

Aeltere Haende ruhen auf einem Knie.

4. Parkinson und Ernährung

Eine spezielle „Parkinson-Diät“ ist nicht notwendig. Dennoch kann eine ausgewogene, genussvolle Ernährung den Krankheitsverlauf positiv begleiten und das allgemeine Wohlbefinden deutlich steigern. Eine bewusste Lebensmittelauswahl unterstützt den Körper im Alltag und kann helfen, Energie, Kraft und Verdauung zu fördern.

  • eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse und Obst zur Unterstützung der Verdauung
  • eiweißhaltige Lebensmittel in angepasster Menge, um Muskelkraft und körperliche Stabilität zu erhalten (1,5-2g Protein pro Kilogramm Gewicht wird täglich empfohlen)

Da einige Parkinson-Medikamente besser wirken, wenn sie zeitlich getrennt von eiweißreichen Mahlzeiten eingenommen werden, empfiehlt sich eine individuelle Absprache mit dem ärztlichen Fachpersonal. Grundsätzlich gilt jedoch: Essen soll nicht nur gesund sein, sondern auch Freude machen und Genuss vermitteln.

Ernährung zur Unterstützung der körpereigenen Dopaminbildung

Dopamin kann nicht direkt über die Nahrung aufgenommen werden. Der Körper stellt es jedoch aus bestimmten Nährstoffen selbst her – insbesondere aus der Aminosäure Tyrosin sowie aus verschiedenen Vitaminen, Mineralstoffen und gesunden Fettsäuren. Auch positive Sinneseindrücke, Genuss und Freude beim Essen können kurzfristig die Dopaminausschüttung anregen.

Gute Tyrosin- und Proteinquellen sind:

  • Eier
  • Geflügel und Fisch
  • Milchprodukte und Käse
  • Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen
  • Nüsse und Samen (z. B. Mandeln, Pekan-, Hanf- und Leinsamen), die zusätzlich wertvolles Magnesium liefern

Obst und Gemüse mit wertvollen Inhaltsstoffen:

  • Bananen (enthalten Tryptophan und Vitamin B6)
  • Avocados (reich an Tyrosin, Vitaminen und gesunden Fetten)
  • Rote Bete (liefert Tyrosin und Betain)
  • Grünes Gemüse wie Spinat, Brokkoli und Grünkohl mit vielen Folaten und Antioxidantien
  • Paprika und Karotten

Vollkorn und weitere unterstützende Lebensmittel:

  • Haferflocken und Vollkornprodukte, die die Verfügbarkeit von Tryptophan unterstützen
  • Dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil (ab ca. 70 %), die das Belohnungssystem aktivieren kann
  • Chili und Ingwer, die Endorphin- und Dopaminausschüttung anregen können
  • Grüner Tee mit L-Theanin, das eine positive Wirkung auf die Dopaminproduktion haben kann

Wichtige Nährstoffe für den Körper:

  • Omega-3-Fettsäuren (z. B. in fettreichem Fisch wie Lachs, Olivenöl oder Leinöl)
  • Vitamine und Mineralstoffe wie B-Vitamine, Magnesium, Kalium und Kalzium

Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung kann somit nicht nur die körperliche Gesundheit unterstützen, sondern auch Lebensfreude, Energie und Wohlbefinden im Alltag fördern.

5. Mythen um Parkinson

Mythos 1:

„Bei Parkinson sollte man sich schonen.“

Die wissenschaftliche Erkenntnis zeigt eindeutig das Gegenteil.

Bewegung ist nicht gefährlich, sondern sicher, wirksam und kostengünstig. Sie kann Symptome lindern, die Lebensqualität verbessern und möglicherweise sogar das Fortschreiten der Erkrankung positiv beeinflussen. Studien zeigen außerdem, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko, überhaupt an Parkinson zu erkranken, um bis zu 25 % senken kann.

Mythos 2:

“Nur intensiver Sport hilft.” Tatsächlich gilt: Jede Bewegung zählt. Ob Krafttraining, Ausdauertraining, Tanzen, Fußballspielen, Gartenarbeit oder tägliche Spaziergänge – entscheidend ist, aktiv zu bleiben.

Auch Müdigkeit ist kein Grund, Bewegung zu vermeiden. Zwar fühlen sich viele Betroffene erschöpft, doch Studien aus anderen neurologischen Erkrankungen zeigen, dass Bewegung langfristig sogar gegen Fatigue helfen kann.

Aelteres Paar macht Yoga im Park.

6. Wie können wir im Move dich dabei unterstützen?

Wie du nun weißt, kannst du deinen Umgang mit Parkinson vor allem durch eine gezielte physiotherapeutische und ergotherapeutische Behandlung wirkungsvoll unterstützen. Sie bildet die Grundlage, um Parkinson-bedingte Einschränkungen zu erkennen, Beschwerden zu lindern und deine Bewegungsfähigkeit langfristig zu erhalten. Ergänzend dazu kann ein individuell abgestimmtes Training sowie eine passende Ernährungsstrategie deine Therapie sinnvoll unterstützen und deine allgemeine Gesundheit fördern. Genau dabei begleiten dich unsere Therapeuten und Trainer im Move.

Gemeinsam entwickeln wir ein individuelles Therapie- und Bewegungskonzept, das sich an deinen persönlichen Bedürfnissen, Zielen und deinem aktuellen Gesundheitszustand orientiert. In der Physio- und Ergotherapie arbeiten wir gezielt an Beweglichkeit, Kraft, Koordination, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung – immer orientiert an den individuellen Schwerpunkten, die wir gemeinsam im Erstbefund feststellen. Darauf aufbauend zeigen wir dir, welche Trainingsformen für dich sinnvoll sind, wie du deine Belastung richtig steuerst und wie Bewegung, Atmung und Intensität optimal zusammenspielen.


Ergänzend erhältst du alltagstaugliche Empfehlungen zu Ernährung und Lebensstil, die den physio- und ergotherapeutischen Prozess unterstützen und deinen Fortschritt nachhaltig sichern. Unser Ziel ist es, dich Schritt für Schritt dazu zu befähigen, deine Parkinson-bedingten Herausforderungen langfristig selbst zu managen – mit strukturierter Physio- und Ergotherapie, unterstützendem Training, fachkundiger Begleitung und spürbaren Erfolgen. Du wünschst dir Unterstützung? Sprich uns gerne an – unsere Therapeuten und Trainer beraten dich jederzeit persönlich.

7. Fazit

Regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining ist heute ein fester und anerkannter Bestandteil der Behandlung von Morbus Parkinson. Eine frühzeitige und kontinuierliche physiotherapeutische -und ergotherapeutische Begleitung bildet dabei die wichtigste Grundlage. Sie ermöglicht es, krankheitsbedingte Veränderungen rechtzeitig zu erkennen, gezielt darauf zu reagieren und den Verlauf der Erkrankung aktiv und positiv mitzugestalten.

In der Physiotherapie wie auch in der Ergotherapie werden Beweglichkeit, Muskelkraft, Koordination und Gleichgewicht gezielt gefördert und langfristig erhalten. Auf dieser Basis kann Kraft- und Ausdauertraining sicher, effektiv und individuell angepasst umgesetzt werden. Richtig angeleitet und dosiert stärkt es nicht nur den Körper, sondern wirkt sich auch positiv auf das psychische Wohlbefinden aus und kann die Lebensqualität nachhaltig verbessern.

Gerade bei Morbus Parkinson gilt: Aktiv bleiben lohnt sich. Es ist wichtig, nicht abzuwarten, sondern frühzeitig mit physiotherapeutischer und ergotherapeutischer Unterstützung zu beginnen und regelmäßig zu trainieren. Bewegung ist nicht nur erlaubt – sie ist ausdrücklich erwünscht und ein zentraler Baustein für mehr Selbstständigkeit, Sicherheit und Lebensfreude im Alltag.

8. Quellenangabe

  • de Oliveira MPB, et al. 2021. Effect of resistance exercise on body structure and function, activity, and participation in individuals with parkinson disease: A systematic review. Arch. Phys. Med. Rehabil. Feb 13 [Online]
  • https://www.parkinsonstiftung.de/fileadmin/user_upload/Informieren/Medien/Publikationen/Sport-bei-Parkinson-juni2025-web.pdf
  • Langeskov-Christensen, M. et al. (2024): Exercise as medicine in Parkinson’s disease, Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, DOI: 10.1136/jnnp-2023-332974.
  • Parkinson-Syndrome, Diagnostik und Therapie, Parkinsonfachgesellschaften Deutschland, Österreich, Schweiz, AWMF-Leitlinie Nr. 030/010, 2016 (24.09.2020)
  • DiBGM (Deutsches Institut für betriebliches Gesundheitsmanagement

Autor

Richard Schradin

Physiotherapeut

Richard gehört seit 2023 zum Team von Move und bringt umfassende Erfahrung in der Physiotherapie bei neurologischen Erkrankungen mit. Sein Schwerpunkt liegt in der aktiven Therapiegestaltung, bei der Patienten aktiv in den Heilungsprozess eingebunden werden.

Richard Schradin